Mit deftigen Sprüchen reagierte der Wiener Ärztekammerpräsident Walter Dorner auf den Vorschlag der Sozialpartner eine "Aut-Idem-Regelung" bei Medikamenten einzuführen. Damit würden die Apotheker dazu ermächtigt, verschriebene Medikamente mit "Aut-Item-Präparaten", die den gleichen Wirkstoff enthalten aber weniger kosten, zu ersetzen. Die hysterische Reaktion der Ärztevertreter lässt darauf schließen, dass die Sozialpartner mit den geplanten Maßnahmen tatsächlich ins Schwarze getroffen haben.
Denn wenn die Ärzte nicht mehr beeinflussen können, welches Markenprodukt der Patient erhält ist sehr schnell Schluss mit Gratiseinladungen zu Mediziner-Kongressen, Infowochenenden im Kitzbühler Fünfsternehotel oder aufwendigen Produktpräsentationen in Grado. Auch andere Belohnungen und legale Korrumpierungsversuche, mit denen die Ärzte von der Pharmaindustrie dazu animiert werden könnten, teure Medikamente zu verschreiben, wären auf einmal wirkungslos.
Es ist dennoch nicht anzunehmen, dass die Pharma-Hersteller schnell klein bei geben werden. So warnen deutsche Gesundheitsexperten - dort gibt es bereits eine "Aut-idem-Regelung" davor, dass die Industrie mit Umgehungsversuchen und Lobbyingoffensiven reagieren wird, denen gegenüber man jedoch standhaft bleiben müsse. Die Konzerne machen nämlich einen Großteils ihrer Gewinne mit alten Produkten ohne Patentschutz aber hohem Markenimage. Eine Umgehungsmöglichkeit bei Medikamenten mit abgelaufenen Patentschutz liegt darin, billige Generika vom Markt zu nehmen. Produkte mit aufrechtem Patentschutz könnten hingegen wesentlich teurer angeboten werden, um jene Gewinne, die sonst nach Ablauf eines Patentes erzielt werden, vorwegzunehmen. Eine besonders schlaue Lösung ist jene, bei der Markenmedikamente mit zusätzlichen Wirkstoffen aufgepeppt werden um dann die Ärzte zu belohnen, wenn sie sämtliche Wirkstoffe verschreiben. Das ist dann so wie bei Babywindeln oder Geschirrspültabs. "Pampers" und "Calgonit" halten den Vorsprung vor den den zahlreichen billigeren Nachahmern, weil sie ständig neue Zusatzfunktion erfinden, die dann jeweils für etwa sechs Monate im Mittelpunkt der werblichen Aussage stehen. Ein "Super-Dry-Auslaufschutz" oder ein "Power-Glanzschutz" für Aspirin so zu sagen.
Mittwoch, 14. Mai 2008
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