Unser Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist ein netter Mensch, der sich redlich um das Land und um seine Partei bemüht. Es ist ihm gelungen, Wolfgang Schüssel - den gemeinsam mit Bruno Kreisky erfolgreichsten Bundeskanzler der letzten Jahrzehnte - zu besiegen, und er hat die Partei zuvor durch eine mühevolle Zeit der Opposition geführt. Unter seiner Obmannschaft hat die SPÖ die ÖVP-Bastionen Salzburg und Steiermark zu Fall gebracht. Und selbst wenn es viele SPÖ-Landespolitiker nicht wahr haben wollen: sie verdanken ihren Platz an der Sonne den Versprechen des Alfred Gusenbauer, dem es gelungen ist, mit Träumen und Visionen von einem "sozialeren Österreich" die SPÖ zurück zur Macht zur führen. Da ohnehin niemand erwartete, dass die SPÖ ihre Zusagen je würde einlösen müssen, machten auch all jene mit, die heute an der Demontage des Kanzlers mitwirken.Dennoch gilt Gusi als der personifizierte Brecher der SPÖ-Versprechen. Mit Gusenbauer als Sündenbock soll die Erinnerung an diese gebrochenen Wahlversprechen und damit an die unglaubwürdig gewordene SPÖ in die Wüste gejagt werden. Vor allem die Salbzurger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und die Parlamanetspräsidentin Barbara Prammer tun sich als Gusi-Jäger besonders hervor.
Dass Franz Voves in den letzten Wochen ausgesprochen ruhig geblieben ist, hat vielleicht damit zu tun, dass er in der Steiermark ein ähnliches Problem wie der der Kanzler im Bund hat. Aber das ist ohnehin nebensächlich. Letztendlich entscheidet ausschließlich der mächtige Wiener Bürgermeister Michael Häupl über das Schicksal des Alfred Gusenbauer. Und der wird nicht mehr sehr lange zuschauen können, wenn er negative Effekte der Bundes-SPÖ auf das Wiener SPÖ-Landtagswahlergebnis im Jahr 2010 verhindern will. Mit Infrastrukturminister Werner Faymann hätte er auch gleich einen Vertrauten als passenden Nachfolger anzubieten, der eine SPÖ-Realo-Politik wesentlich glaubwürdiger vertreten könnte..

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