Als "arschig" bezeichnete ein Freund kürzlich all jene, die ihre Autos jetzt zur Euro mit Österreichfahnen verzieren. Es sei ihm peinlich, wenn er so was sehen müsse, wie da manche Idioten den Patriotismus überschäumen lassen.Zu diesem Thema schrieb Hubert Patterer kürzlich in seinem Kommentar als Chefredakteur der Kleinen Zeitung, dass die Euro eine Nagelprobe für Österreich wäre, und die Österreicher nun beweisen müssten, dass sie Patriotismus und Weltoffenheit miteinander in Verbindung bringen können. Als Vorbild stellte er Deutschland hin, denn die Deutschen hätten 2006 einen neuen "weltläufigen Patriotismus ohne Hofart" geschaffen.
Patterer fürchtet jedoch, dass sich der österreichische Patriotismus vor allem als peinlicher anti-deutscher Minderwertigkeitsreflex äußert. Dabei ist die Abgrenzung zu Deutschland ja genau das Wesen der österreichischen Nachkriegsnation. Das Nationalgefühl der Österreicher hat in der Realität erst in den Fünfzigerjahren mit Staatsvertrag und dem - von Deutschland importiertem - Wirtschaftswunder eingesetzt. Wir konnten als kleines Land beweisen, dass es möglich ist, auch ohne großen Bruder – noch dazu in einer von der UdSSR auferzwungenen Neutralität - politisch zu überleben.
Dank EU ist es sogar gelungen, unsere engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Deutschland um ein weiteres mächtiges Netzwerk internationaler Beziehungen vorzugsweise in den Reformstaaten auszubauen und unsere Unabhängigkeit zu stärken. So gern ich Hubert Patterer wegen manch unorthodoxer Gedanken mag. Er hat nicht Recht, wenn er antideutsche Reflexe fürchtet. Österreich ist eine Erfolgstory, bei der uns unser starker Freund im Norden mit seiner Mega-Ökonomie wirtschaftlich Rückhalt und Stütze war, doch unser Land hat die Zeit in der EU hervorragend dazu genutzt, um eigenständiger, selbstbewusster und erfolgreicher zu werden.
Dass manch einfacher Geist, gerne unreflektiert gegen die Deutschen grölt, mag schon sein. Aber Minderwertigkeitskomplexe sind etwas völlig natürliches für eine Volk, das sich jahrhundertelang als Nabel der deutschen Nation sah und nun innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer eigenen unabhängigen Identität finden musste. Dass wir uns angesichts dieser Situation über jeden Erfolg über die friedliche Großmacht im Norden freuen und sowohl „Cordoba“ als auch unsere Ski-Siege zur Nationswerdung nützen, ist wesentlich gescheiter als irgendwelchen K&K-Nostalgien nachzutrauern. Gegen gut gepflegte Minderwertigkeitskomplexe ist also wenig anzuführen.
Mein Sohn besteht übrigens darauf, dass unser Familienauto auch von einer rotweißroten Fahne geschmückt wird. Und selbstverständlich werde ich ihm die Freude machen - wenn es sein muss sogar mit Kronenzeitungslogo auf dem Adler.

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