Freitag, 10. Oktober 2008

Das schmutzige R-Wort

Noch reden unsere Konjunkturforscher von einer "Stagnation". Doch ein Blick in die Schwellenländer und nach Osteuropa genügt, um festzustellen, dass die Märkte für die Investitionsgüter aus Deutschland und Österreich wegbrechen.
Gleichzeitig hat der Privatkonsum aufgrund der hohen Lohnnebenkosten keine Chance, das im B2B-Bereich frei gewordene Volumen zu ersetzen.
Natürlich wird es auch diesmal Unternehmen geben, die gestärkt aus der Krise hervorgehen. Firmen die in konjunkturunabhängigen Branchen tätig sind, etwa im Umweltbereich, die noch dazu finanziell erstklassig ausgestattet sind und die ihre Hausbank nur zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs, nicht aber zur Finanzierung benötigen.
Alle anderen Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote werden versuchen, ihr Geld zusammen zu halten, um ohne größere Blessuren die kommenden eineinhalb Jahre schrumpfender Märkte zu überstehen. Und viele Mitspieler werden sich auf ihr Geschick verlassen müssen, Einsparungspotentiale aufzufinden und auszuschöpfen und darauf, ihre Basel-II-Ratingklasse zu verbessern.
Selbst wenn das schmutziger R-Wort noch niemand aussprechen will, aber die Finanzkrise hat längst eine Dimension erreicht, die dazu in der Lage ist, selbst - noch - gesunden österreichischen KMUs den Boden unter den Füßen weg zu ziehen.
Spätestens seit dem gestrigen ZIB-Auftritt von Werner Faymann, ist für mich übrigens klar, dass es ziemlich egal ist, ob Österreich bald eine neue Regierung bekommt oder ob die alte weiter wurstelt. Denn ein Konjunkturpaket, das die Steuerbegünstigung von F&E-Investitionen in den Mittelpunkt stellt, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. In den nächsten Monaten wird es darum gehen, die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen aufrecht zu erhalten und sie dabei zu unterstützen, zu jener Liquidität zu gelangen, die dafür nötig.

"Ist the economy, Stupid! Pardon, ... Herr Verkehrsminister!"

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