Mittwoch, 15. Oktober 2008

Der Zug der schwarzen Lemminge


Das in Wahrheit nur eine Neugründung die Volkspartei vor dem verderblichen Einfluss der Bünde und der Landesorganisationen retten könnte, steht für mich seit dem gestrigen Bundesparteivorstand fest. Die Gründe warum die Volkspartei in eine große Koalition will, haben nämlich nichts mit Staatsräson oder sonstigem zu tun sondern sind wie meist in der Politik viel banaler:

Der niederösterreichische LH Erwin Pröll will eine große Koalition, weil er so am meisten für sein Land herausholen kann. Da werden dann wie gewohnt die größten Brocken auf Wien und Niederösterreich verteilt und die anderen Bundesländer müssen sich mit dem zufriedengeben, was die beiden Großen übriglassen. Ob eine große Koalition der Volkspartei nützt oder schadet ist Pröll egal, weil die nächsten niederösterreichischen Landtagswahlen ohnehin erst in fünf Jahren ins Haus stehen.
Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer wiederum will eine große Koalition, weil er Angst hat vor seiner Landes-SPÖ. Ihn könnte nämlich ein ähnliches Schicksal ereilen wie seinerseits Waltraud Klasnic in der Steiermark. Pühringer wünscht sich also einen roten Bundeskanzler, weil er glaubt, dass bei den anstehenden Landtagswahlen dann sein roter Widersacher im Land, Erich Haider, den Denkzettel gegen die Bundesregierung ausfasst.
Der Bauernbund wünscht sich eine große Koalition, weil Bauernbundchef Fritz Grillitsch wohl nur dann Minister werden kann, wenn sein steirischer Landsmann Martin Bartenstein abtritt. Und er wird nur abtreten unter einem Bundeskanzler Werner Faymann.
Der Wirtschaftsbund will eine große Koalition, weil er seine volle Stärke am besten ausspielen kann, wenn die Sozialpartnerschaft reibungslos klappt. Das tut sie nur, wenn der ÖGB nicht, wie unter Schwarz-Blau, auf Totalopposition umschaltet. Noch unerträglicher wäre für Christoph Leitl seine Funktion nur aus einer VP-Oppositionsrolle heraus wahrnehmen zu müssen.

In der Volkspartei wissen natürlich alle ganz genau, dass die Partei bei eine rot-schwarzen Zusammenarbeit unter die Räder geraten wird. Aber das Hemd ist halt viel näher als der Rock.

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