SPÖ-Chef Werner Faymann tut gut daran, der ÖVP in den Koalitionsgesprächen einige Achtungserfolge zu ermöglichen. Die letzte Wahl hat ja gezeigt, dass es dem Wähler ohnehin völlig egal ist, ob das, was in einem Koalitionsvertrag niedergeschrieben steht, eingehalten wird oder nicht. Wenn es Faymann, wie zu erwarten, gelingt, die ÖVP in die Koalition zu zwingen, verbessert das seine Ausgangslage deutlich. Die einzige Alternative für die SPÖ wäre ja ein Minderheitskabinett, mit dem sie sich mühsam durch den Nationalrat quälen müsste. Und die Gefahr, dass die Partei dabei Schaden nimmt, ist groß.
In der "Großen Koalition NEU" hat er hingegen ganz andere Chancen. Denn es ist tatsächlich damit zu rechnen, dass eine Zeit lang nicht gestritten wird und Faymann und Pröll in trauter Zweisamkeit als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe das Land regieren.
Allerdings nur so lange bis ein unausweichlicher Trend einsetzt. Nämlich das Abstürzen der ÖVP als Co-Regierer in den Meinungsumfragen. Das ist dann auch der Moment in dem Faymann aufs Ganze gehen wird, um Nachbesserungen bei der Umsetzung des Koalitionspaktes zu verlangen. Geht die ÖVP dann mit, ist sie endgültig "im Kisterl" und falls nicht ebenso. Denn wenn die Österreichische Nachkriegsgeschichte eines bewiesen hat, ist es, dass der Juniorpartner in einer österreichischen Bundesregierung auf jeden Fall abgestraft wird.
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