Als Georg Wolf-Schönach vom diskreten Grazer Bankhaus Krentschker im allgemeinen Geplauder nach seiner letzten Bilanz-PK Anfang 2008 (!) davor warnte, dass die in den USA ausgebrochene Bankenkrise auch auf die große österreichischen Institute überschwappen könne, weil auch im Osten etwas mit der Wirtschaft passieren könne, erntete er nur ungläubiges Staunen. Zu diesem Zeitpunkt war gerade einmal einige deutsche Landesbanken in einen "Skandal" involviert, weil sie sich von US-Investmenthäusern einige Junk-Bonds andrehen hatten lassen, in die auch Subprime-Papiere eingewoben waren."Österreichs Banken sind sicher", analysierten die Experten damals unisono, denn schließlich sei "Subprime" für uns kein Problem, weil man in der Vergangenheit ja in Osteuropa "auf dem erweiterten Heimmarkt" bessere Ertragsfelder vorgefunden habe.
Ich erinnere mich noch gut, wie - ebenfalls vor etwa einem Jahr - WIFO-Chef Professor Karl Aiginger anlässlich des Raiffeisen-Konjunkturgesprächs im Grazer Kongress, sogar davon träumte, dass Österreichs Banken in Zukunft eine führende Rolle in Europa einnehmen könnten.
Heute wenige Monate später ist der Börsenwert von Raiffeisen International von 18 Milliarden Euro auf etwas über zwei Milliarden Euro geschrumpft. Immer mehr osteuropäische Schuldner - insgesamt haften den österreichischen Banktöchtern etwa 300 Milliarden aus - sehen angesichts Wirtschaftskrise und fallender eigener Währungen keine Chance, die meist in Euro aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen.
Das tatsächliche Ausmaß des sich abzeichnenden Desasters steht Dank gezielter bilanzieller Verschleierungsmöglichkeiten noch in den Sternen. Aber die verhältnismäßig leisen Einwände der Beschwichtigungs-Profis im Bankenbereich lassen Schlimmes befürchten.
Und während das gesamte aktuelle Ausmaß von "Subprime" mit der aktuellen Berichtssaison definiert sein dürfte, müssen wir uns nun darauf gefasst machen, dass unsere Banken über die nächsten Jahre verteilt, in bewährter Salamitaktik versuchen werden, ihre uneinbringlichen Osteuropa-Außenstände abzuschreiben.
Für die Börsenwerte von Raiffeisen, Unicredit, Erste und Co heißt das, dass mittelfristig mit keiner Erholung zu rechnen ist. Und für die österreichische Wirtschaft könnte das bedeuten, dass es bei uns auf absehbare Zeit weder eine funktionierende Kreditversorgung noch einen entsprechenden Kapitalmarkt geben wird oder im Klatext: Wir sind zwar später in die Krise hineingeraten aber infolge Kapitalmangels ist damit zu rechnen, dass sie bei uns dafür umso länger dauern wird.

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