Dass es nicht gut ist, wenn wir von Gas-Transitländern wie gerade von der Ukraine in Geiselhaft genommen werden, weil sie nicht den vollen Gaspreis bezahlen können und auf der anderen Seite ein unnachgiebiger Lieferant wie Russland steht, haben nun endlich alle begriffen. Es gilt also, mittelfristig zwei Probleme zu lösen:1) Europa braucht ein dichteres Netz an Gaspipelines, um den Gas-Transitländern die Möglichkeit zu nehmen, die für andere Länder bestimmten Gasmengen abzuzweigen.
2) Die Abhängigkeit von Gazprom und damit von Russland muss reduziert werden, denn wer weiß schon wozu Putin noch in der Lage ist, wenn Russlands (Un-)wirtschaft tatsächlich so unter die Räder der Wirtschaftskrise geraten sollte, wie von vielen Experten befürchtet wird.
Um Ländern wie der Ukraine aber auch Polen die Gelegenheit zu nehmen, das für Westeuropa bestimmte Gas als Waffe zu nutzen, haben Deutschland und Russland bereits den Bau der Ostseepipeline vereinbart.
Um auch Süd- und Mitteleuropa vom Einfluss der Transitländer zu entkoppeln, will Gazprom zusätzlich die "Südstrom-Pipeline" über die Türkei und den Balkan bis nach Österreich errichten.
Damit bliebe das Problem der Versorgungsunabhängigkeit jedoch ungelöst. Gleichzeitig würde der russische Einfluss auf Länder wie die Ukraine massiv wachsen, was wiederum die USA unbedingt verhindern wollen.
Die Antwort auf das Dilemma könnte tatsächlich die NABUCCO-Pipeline zwischen der Türkei und Österreich sein, die unter Ausschluss russischen Einflusses auf dem Balkan errichtet werden soll. Initiator des Projektes ist die österreichische OMV. Eigentümer sind neben der OMV, die ungarische MOL, die rumänische SNTGN die bulgarische BULGARGAZ, die türkische BOTAS und seit Anfang 2008 auch die mächtige deutsche RWE. Im Februar des Vorjahres wurde ein Vorvertrag geschlossen und die endgültige Entscheidung wird wohl heuer fallen müssen.
Das Problem von NABUCCO. Der Bau wäre eine offene Herausforderung für Russland und ist außerdem extrem teuer. Und so macht das Projekt nur Sinn, wenn es tatsächlich gelingt, mit dem IRAN einen mächtigen neuen Gas-Lieferanten an Board zu holen. Da jedoch die USA eindeutiger Befürworter von NABUCCO sind, gibt es bis heute keine entsprechenden Lieferverträge. Es hängt also an der Iran-Politik des neuen US-Präsidenten Barack Obama, ob sich die Perser auf NABUCCO einlassen können und dadurch eine strategische Schwächung ihrer Freunde in Moskau in Kauf nehmen.
Seitens der österreichischen Politik wurde NABUCCO übrigens von Martin Bartenstein vorangetrieben. Mal sehen ob sein Nachfolger Reinhold Mitterlehner den Mumm hat, den russischen Bären ebenso offen herauszufordern.

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