Die ewigen Diskussionen rund um die Kärntner Seele und die damit zusammenhängenden falschen Legenden hängen mir schön langsam zum Hals heraus."Man kann keine weiteren zweisprachigen Ortstafeln aufstellen, weil man damit diejenigen beleidigen würde, die im Abwehrkampf dafür gekämpft haben, dass Kärnten bei Österreich bleibt", ist eine davon. In Wahrheit haben die Kärntner Slowenen aber auf Seiten der deutschen Kärntner für den Verbleib ihrer Heimat bei Österreich gekämpft.
Ähnlich verhält es sich mit Volksabstimmung im Jahr 1920. Nicht den wackeren Deutschtümlern verdankt Österreich, dass Südkärntens in der jungen Republik geblieben ist, sondern der starken Zustimmung unter den Slowenen. Die Abstimmung wurde nämlich nur in den überwiegend slowenisch besiedelten Gebieten durchgeführt. Nachdem sich das slowenische Unterkärnten mit 59% zu 41% für den Verbleib bei Österreich entschieden hatte, machte eine Abstimmung in den überwiegend von Deutschkärntnern besiedelten Gebieten gar keinen Sinn mehr.
Trotzdem hat sich in Kärnten das völlig falschen Bild festgesetzt, wonach wir die Zugehörigkeit Kärntens zu Österreich den deutschen Abwehrkämpferorganisationen verdanken.
Dieses falsche Bild what Generationen von Kärntner Politikern völlig falsch geprägt. Das beinhaltet sowohl den augenzwinkernden Umgang mit Altnazis als auch das Vorgehen gegen gewisse politisch inkorrekte Redensarten.
Nach einem Gespräch mit Kärntens LH Gerhard Dörfler bin ich zum Beispiel tatsächlich davon überzeugt, dass er sich nichts Schlechtes dabei gedacht hat, als er in Zusammenhang mit dem VFGH-Ortstafel-Erkenntnis davon sprach, dass das Urteil dem "gesunden Volksempfinden" entgegen steht. Dörfler hat sich auch sofort dafür entschuldigt, dass er einen Terminus verwendet hat, der auch unter den Nazis gebräuchlich war.
Meine Analyse ergibt jedoch, dass Kärnten völlig anders sozialisiert ist als der Rest des Landes. Und so fällt es Kärntner Politikern möglicherweise nicht einmal auf, wenn sie sich einer sonst im ganzen Land verpönten NAZI-Diktion bedienen. Nur so erklärt sich für mich, dass die Kärntner Landtagsabgeordneten Jörg Haiders Vergleich mit der "ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich", der später zu seinem Sturz als Landeshauptmann geführt hatte, nicht unmittelbar sondern erst viel später reagierten.
Wenn nun Gerhard Dörfler ausgerechnet Roberto Blanco einen "Negerwitz" erzählt, mag das jedem Nichtkärntner als besonders dumm erscheinen. Dass das Wort "Neger" nur deshalb einen rassistischen Beigeschmack hat, weil es von den Betroffenen als diskriminierend empfunden wird, sollte sich trotz aller gelebte Legenden um die "Kärntner Seele" inzwischen dennoch auch unter Kärntens Spitzenpolitikern durchgesetzt haben.

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